Nachhaltiger Mieterausbau: Warum wir jetzt anders bauen müssen
Manche Entwicklungen fordern uns dazu auf, innezuhalten und neu zu denken. Die Frage ist längst nicht mehr, ob wir nachhaltiger bauen, sondern wie konsequent wir es tun. Dem Gebäudesektor kommt für das Erreichen der Klimaziele eine bedeutende Rolle zu. Zwischen regulatorischem Druck, ESG-Vorgaben und wachsender Verantwortung braucht es neue Strategien, auch für den Innenausbau. Genau hier setzt apoprojekt an mit einem Konzept, das den Mieterausbau neu denkt. Ressourcenschonend, zukunftsfähig und transparent. Der nachhaltige Mieterausbau ist ein mutiger Schritt und gleichzeitig eine notwendige Entwicklung.

Weniger Emissionen, mehr Verantwortung
Das Bauen im Bestand ist oft ein blinder Fleck in der Nachhaltigkeitsdebatte. Obwohl Innenräume alle fünf bis zehn Jahre modernisiert, verändert oder ersetzt werden, bleibt der CO₂-Fußabdruck dieser Maßnahmen meist unbeachtet. Materialien werden ausgetauscht. Technik wird neu installiert. Oft ist das mit erheblichem Ressourcen- und Energieeinsatz verbunden. Während beim Neubau längst nachhaltiger gedacht wird, fehlen im Innenausbau klare Standards. Dabei liegt gerade hier ein enormes Einsparpotenzial.
Innenausbau als Schlüssel zur Klimawende
2025 startet apoprojekt ein Konzept, das herkömmliche Methoden hinterfragt und praxistaugliche Wege zeigt, den CO₂-Fußabdruck im Innenausbau deutlich zu reduzieren. Im besten Fall können dabei bis zu 100 Prozent der Emissionen eingespart werden und das ganz ohne Abstriche bei Funktion oder Gestaltung. Möglich wird das durch einen integrierten Design & Build-Prozess, bei dem Planung und Ausführung Hand in Hand gehen. Der CO₂ Ausstoß wird im apoprojekt Nachhaltigkeitspass dokumentiert. Die vom TÜV Süd geprüfte Ökobilanz zeigt, wie viel CO₂ im Vergleich zu herkömmlichen Mieterausbauten eingespart werden konnte. Der Pass ist ESG-konform, unabhängig überprüfbar und bietet eine belastbare Grundlage für Berichterstattung und Vergleichbarkeit.
EDGE HafenCity Hamburg: Das erste Pilotprojekt
Im EDGE HafenCity Hamburg hat apoprojekt den nachhaltigen Mieterausbau erstmals praktisch umgesetzt. Der komplette Ausbau einer Bürofläche erfolgte ressourcenschonend und wurde inzwischen erfolgreich an den Mieter übergeben. Dabei ging es nicht darum, alles neu zu erfinden, sondern vertraute Standards durch klimafreundlichere Alternativen zu ersetzen und so CO₂ einzusparen. Zum Einsatz kamen Glastrennwände mit Holzrahmen statt Aluminiumprofilen, Strohmodule anstelle klassischer Trockenbauwände sowie CO₂-reduzierte Bodenbeläge aus Recyclingmaterial. Wichtig dabei ist, dass der Look der Räume gleichbleibt. Nachhaltiger Mieterausbau bedeutet nicht, auf Qualität zu verzichten. Funktionalität und Optik bleiben erhalten, während der CO₂-Ausstoß durch viele kleine Verbesserungen sinkt. Parallel wurden Lieferketten überarbeitet, Prozesse hinterfragt und die beteiligten Gewerke gezielt geschult. Nicht alles lief von Anfang an reibungslos, doch genau das war Teil des Konzepts. Denn neue Produkte entstehen durch Erfahrungen und die Weiterentwicklung eigener Standards.

Wie es jetzt weitergeht
Ein paar Etagen unterhalb der fertiggestellten Bürofläche im EDGE HafenCity wurde weitergearbeitet, ganz ohne Mietdruck, aber mit großem Erkenntnisgewinn. Dort testete apoprojekt Materialien und Techniken, die den nachhaltigen Innenausbau der Zukunft prägen könnten. Zum Beispiel, wie sich Strohwandplatten stabil und präzise verbinden lassen, wie natürliche Spachtel aus Ton uns Lehm sich verhalten, welche Qualitäten verschiedene Hersteller liefern und wie unsere Nachunternehmer auf die neuen Anforderungen reagieren. Die Antworten sind wertvoll. Sie zeigen, was funktioniert, was noch nicht rund läuft und wo es Verbesserungsbedarf gibt. All das fließt direkt in die Weiterentwicklung des Konzepts ein.
Zehn weitere Pilotprojekte sind in Planung, gemeinsam mit Auftraggeberinnen und Auftraggebern, die bereit sind, neue Wege zu gehen. Gesucht werden Partner, die mitgestalten und konkrete Lösungen für mehr Klimaschutz im Innenausbau umsetzen wollen.

„Wir entwickeln den nachhaltigen Mieterausbau nicht nur für den Moment, sondern für die Zukunft. Denn irgendwann wird Umweltverantwortung kein Zusatz mehr sein, sondern Voraussetzung. Die Erfahrungen von heute legen den Grundstein dafür.“
Daniel Gerdelmann,
Leiter ESG und Sustainability